Gründungsgeschichte

Max Drexler
Othmar Gessler
Wendelin Hecht
Franz Walchner
Max Diederich
Erste Ausgabe 4.12.1945
Die erste Ausgabe
Die erste Ausgabe vom 4. Dezember 1945

Dienst an der Wahrheit
Die Erstausgabe >> Am Anfang stand die Vergangenheitsbewältigung im Vordergrund. Klare Abgrenzung gegenüber der Nazi-Presse. Der Blick in die Zukunft war noch sehr vorsichtig. Die ersten Vergnügungen wurden zaghaft angeboten. Die erste Mitteilung der „Schwäbischen Zeitung“ an ihre Leser war kurz und knapp: „Seit sieben Monaten entbehren die Oberschwaben eine Zeitung, die ihnen das Geschehen in der Heimat und in der Welt widerspiegelt“, beginnt der Text auf Seite 1 der Erstausgabe vom 4. Dezember 1945. Es folgen die ersten Leitsätze der neuen Zeitung: „Die Schwäbische Zeitung, die jetzt in ihre Hände kommt, ist eine von Deutschen für Deutsche geschriebene Zeitung. Sie wird durch den Dienst an der Wahrheit und den Grundsätzen der Menschlichkeit zu ihrem Teile dazu beitragen, dass das deutsche Volk die Wirklichkeit und die Ursachen seines Unglückes erkennt, dass es die Wunden des Krieges zu heilen und sich mit Mut und Zuversicht ein neues Haus des Friedens zu bauen vermag.“

Von Deutschen für Deutsche
Der erste Teil dieser Leitsätze war kein alter oder gar neuer deutscher Nationalismus, er bezog sich vielmehr auf die Siegermächte, speziell auf die Franzosen. Sie hatten nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes die Information der Bürger auf von ihnen herausgegebene und somit zensierte Mitteilungsblättchen reduziert. „Eine von Deutschen für Deutsche geschriebene Zeitung“ war also zu diesem Zeitpunkt etwas ganz Besonderes und deshalb wurde dieser Umstand in der Erstausgabe der „Schwäbischen Zeitung“ in den Vordergrund gestellt. Der zweite Teil ist dagegen eine klare Abgrenzung gegenüber dem, was vorher war – gegenüber der Nazi-Presse. Die „Schwäbische Zeitung“ stellte sich nach den Jahren der Verhetzung in den „Dienst an der Wahrheit“ und bekannte sich zu den „Grundsätzen der Menschlichkeit“. Aus heutiger Sicht Selbstverständlichkeiten, damals nach den Erfahrungen des Dritten Reiches waren diese Hinweise offensichtlich noch notwendig. Zu sehr wirkte dieser Unrechtsstaat nach, zu sehr hatte man noch unter den konkreten Folgen dieser braunen Diktatur zu leiden. So stand dann auch die Vergangenheitsbewältigung im Mittelpunkt der journalistischen Arbeit. Das wichtigste Nachrichtenthema der Erstausgabe war die Eröffnung des Nürnberger Prozesses. Dabei spielte es keine Rolle, dass das Ereignis bereits zwei Wochen alt war. Der Bericht über den Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher war am 4. Dezember 1945 noch das wichtigste Thema. Aus diesem Grund wurde die Aufmachung auf Seite 1 „Die Welt blickt auf Nürnberg“ noch auf den folgenden Seiten forgesetzt – unter anderem mit Wortlautzitaten der wichtigsten Teile der Anklageschrift. Der Blick zurück stand im Vordergrund.

„Ende und Beginn“
Eine Ausnahme machte Redakteur Ernst Trip allerdings auch schon in der Erstausgabe. Unter dem Titel „Ende und Beginn“ lenkte er in einem Leitartikel den Blick in die Zukunft: „Das Ende des Krieges war das Ende der Hitlerschen Despotie. Zusammen mit dieser unmenschlichen Staatsform ist unendlich viel Wertvolles zugrunde gegangen, aber auch Wertloses, Mittelmäßiges, Überaltertes und Totes. Wir haben von vorne zu beginnen und müssen die Möglichkeiten sehen, die damit verknüpft sind. Wir sind auf dem Talboden unseres Unglückes angekommen. Jetzt muss der Weg aufwärts führen. Wir haben an uns erfahren, welche Dämonen eine falsche Idealisierung der Machtpolitik und des Staates als Selbstzweck weckt; es gibt wahrhaftig keine Veranlassung zu ihrer Verherrlichung. Wir wenden uns ab von ihr und nehmen den Kampf mit dem Schicksal auf, um an einem neuen demokratischen Staatswesen mit sittlichem Inhalt zu arbeiten.“ In den Folgeausgaben rücken die regionalen Ereignisse dann schon mehr in den Fokus: Es beginnt mit einem Blick über die Grenze nach Österreich. Dort wird am 21. Dezember der Schilling wieder eingeführt, „eingeteilt in 100 Groschen“. Auch wird gemeldet, dass zwischen Hechingen und Tübingen wieder Züge verkehren. Und zur wachsenden Normalität gehört wohl auch, dass das Wangener Amtsgericht wieder seine Arbeit aufgenommen hat, ebenso wie die Berufsschulen in Ravensburg und Friedrichshafen. Und auch erste Vergnügnungen wurden schon angeboten: Im Bad Waldseer Lichtspielhaus „Zur Traube“ wurde der Film „Gefährlicher Frühling“ gezeigt.

Ein kleiner Zettel reichte
Die Lizenzentscheidung >> Am 3. Dezember 1945 wurde von einem französischen Leutnant die Genehmigung erteilt, die „Schwäbische Zeitung“ erscheinen zu lassen. Einen Tag später wurde die Erstausgabe gedruckt. Es begann mit einem kleinen Zettel. „Hiermit wird der Firma Schwäbischer Verlag, Friedrichshafen, die Genehmigung erteilt, die Schwäbische Zeitung erscheinen zu lassen“, hatte am 3. Dezember 1945 ein französischer Leutnant im Auftrag der Militärregierung formlos auf ein Blatt Papier geschrieben. „Ungelenk und unfeierlich, wie es schwäbische Art sein kann, große Entscheidungen mitzuteilen“, bewertet die Redaktion diesen Vorgang 1970 in ihrer Sonderveröffentlichung zum damaligen 25-jährigen Bestehen. Den Gründervätern des Schwäbischen Verlages reichte dieser Zettel aber völlig aus. Am nächsten Tag, dem 4. Dezember 1945, erschien die Erstausgabe. Die Druckauflage betrug damals zum Start 98 370 Exemplare.

Drei Männer vom Fach
Diese schnelle Umsetzung war nur möglich, weil Verlag und Redaktion sich schon seit Wochen auf diesen Termin vorbereitet hatten. Schließlich waren dieser unspektakulären Entscheidung lange Verhandlungen mit der Militärregierung in Baden-Baden vorausgegangen. Parallel dazu musste auch ein Gesellschaftervertrag ausgehandelt werden. Er war Voraussetzung für die Lizenzvergabe und wurde zwei Wochen vorher – am 21. November 1945 – unterschrieben. Erst-Komplementäre des Schwäbischen Verlages wurden drei Männer, die sich alle auf unterschiedliche Weise schon vor der Nazi-Zeit im Zeitungsgeschäft betätigt hatten. Der Leutkircher Zeitungsverleger Max Drexler war schon im Verband Oberschwäbischer Zeitungsverleger (kurz „Verbo“ genannt) aktiv. Aus dem Haus des Friedrichshafener Verlegers Othmar Gessler, der auch schon „Verbo“-Mitglied war, stammte die erste Rotationsmaschine. Sie war in den letzten Kriegsjahren wegen der Luftangriffe aus Friedrichshafen nach Leutkirch ins Allgäu geschafft worden. Der Dritte im Bunde war Dr. Wendelin Hecht. Er war der letzte Verlagsleiter der Frankfurter Zeitung, die 1943 auf Befehl Hitlers geschlossen wurde. Er zog sich damals in seine Heimatgemeinde Altheim bei Biberach zurück. Zu den drei Komplementären kamen noch zwei Kommanditisten hinzu: Max Diederich aus Biberach und Franz Walchner aus Wangen, beide gehörten wie Max Drexler schon zum Verband Oberschwäbischer Zeitungsverleger, der unter Führung von Franz Walchner in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gegründet worden war. Wendelin Hecht war es dann, der den ersten – und für die ersten drei Ausgaben einzigen – Redakteur engagierte: Ernst Trip, wie Hecht von der Frankfurter Zeitung. Ursprünglich hatten beide die Absicht, die Frankfurter Zeitung wieder aufleben zu lassen, erst später schwenkten sie auf das Projekt „Schwäbische Zeitung“ ein. Die ersten Absichten haben heute durchaus noch ihre Auswirkungen: So geht der Name „Schwäbische Zeitung“ auf Wendelin Hecht zurück, der das Blatt nicht auf Oberschwaben begrenzen wollte. Und auch der Schriftzug des Titels lässt heute noch erkennen, dass die Frankfurter Zeitung Vorbild war. Wegen des Papiermangels erschien die „Schwäbische Zeitung“ zunächst nur zweimal pro Woche – dienstags und freitags. Erst am 1. August 1948 kam ein weiterer Erscheinungstag hinzu. Es dauerte dann noch einmal vier Jahre – genau bis zum 1. Dezember 1952 - , ehe die „Schwäbische Zeitung“ täglich auf den Markt kam. Später wurde die Entwicklung der Zeitung dann deutlich dynamischer. In den Aufbaujahren wurde das Geschehen vor allem von den Gründungsvätern geprägt. Zum Teil kamen neue Namen dazu: 1959 wird Georg Fürst von Waldburg-Zeil Komplementär, später Walter Senn Vertreter der Lokalverlage. Im Laufe der Jahre ging die verlegerische Verantwortung zum Teil an die Erben über: Heinz Gessler als Komplementär, Thussi Drexler, Hildegard Diederich, Dr. Martin Walchner als Kommanditisten. 1958 übernahm Theodor Walterscheid die Verlagsleitung. Von 1989 bis 2008 agierte Dr. Udo Kolb als Geschäftsführer des Schwäbischen Verlages. In seiner Ära ist eine Verlagsstrukturreform umgesetzt worden, die dem Unternehmen neue Zukunftsperspektiven ermöglichte. Seit dem 1. Januar 2009 ist Dr. Kurt Sabathil Geschäftsführer des Medienhauses Schwäbischer Verlag. Nach der Unruhe der Anfangsjahre war ab 1949 auch die Position des Chefredakteurs von großer Kontinuität geprägt: Auf Albert Komma, Johannes Schmid und Theodor Walterscheid folgte 1963 Chrysostomus Zodel. Er legte den Grundstein dafür, dass sich die „Schwäbische Zeitung“ zu einer auch überregional beachteten Tageszeitung entwickelte. Auf Zodel folgte 1988 Hanns Funk. Von 1997 bis 2007 stand Joachim Umbach an der Spitze der Redaktion. Unter seiner Führung wurde die Regionalisierung und Modernisierung der Zeitung vorangetrieben. Er übernahm 2008 die Position des Mediendirektors, um den crossmedialen Weg, den das Medienhaus inzwischen eingeschlagen hat, konsequent fortzusetzen. Als Chefredakteur folgte ihm 2008 Ralf Geisenhanslüke, der 2011 von Dr. Hendrik Groth abgelöst wurde.

Persönliche Kommanditisten heute:
Hildegard Diederich, Andreas Drexler, Andreas Gessler, Dr. Martin Walchner, S.D. Georg Fürst von Waldburg zu Zeil